Fassadengemälde Alltagstakt [ˈaltaːksˌtakt]  

Hofgartenstraße 14, vom 18-31.05 2026

Ein weiteres imposantes Fassadengemälde für die Stadt Aschaffenburg in Zusammenarbeit mit dem Kulturamt Aschaffenburg.

 

Ein weiteres großformatiges Fassadengemälde für die Stadt Aschaffenburg ist in Zusammenarbeit mit dem Kulturamt Aschaffenburg entstanden. In der Hofgartenstraße 14 wurde im Mai 2026 das Wandbild „Alltagstakt“ realisiert und prägt nun dauerhaft das Stadtbild mitten in der Innenstadt.

 

Über die Bildergalerie auf dieser Webseite konnte der gesamte Entstehungsprozess Schritt für Schritt begleitet werden, von den ersten Vorzeichnungen bis hin zu den finalen Farb- und Detailarbeiten an der Fassade.

Mit „Alltagstakt“ ist ein Wandbild entstanden, das sich mit dem Rhythmus unseres täglichen Zusammenlebens auseinandersetzt. Der Titel beschreibt dabei die vielen kleinen und großen Bewegungen des Alltags: Begegnungen, Wiederholungen, spontane Momente, Kommunikation, gemeinsames Erleben und das ständige Aufeinandertreffen unterschiedlichster Menschen und Energien im öffentlichen Raum.

Die Figuren und Bewegungen des Bildes greifen musikalische, tänzerische und urbane Elemente auf. Formen überlagern sich, lösen sich auf und setzen sich neu zusammen, sodass ein Eindruck von Bewegung und Dynamik entsteht. Körper, Klang und Farbe verschmelzen miteinander und erzeugen eine lebendige Atmosphäre, die bewusst nicht stillsteht, sondern den Eindruck eines fortlaufenden gemeinsamen Taktes vermitteln.

Im Mittelpunkt des Gemäldes stehen Fröhlichkeit, Gemeinschaft, Kommunikation, Musikalität sowie Bewegung und Harmonie. Besonders wichtig war dabei die Idee von gemeinsamer Energie-Situationen, in denen Menschen denselben Raum teilen, miteinander in Resonanz treten und dadurch etwas Verbindendes entsteht.

Die Figuren erscheinen deshalb nicht isoliert, sondern als Teil eines größeren rhythmischen Zusammenspiels aus Bewegung, Raum und Zeit. Sichtbare Spuren, Überlagerungen und ineinanderlaufende Farbflächen verstärken die Dynamik des Bildes und machen unterschiedliche Bewegungsabläufe gleichzeitig erfahrbar. Alltag wird dabei nicht als monotone Routine verstanden, sondern als etwas Lebendiges und Verbindendes.

 

Auch farblich setzt das Wandbild bewusste Akzente im Stadtraum. Kräftige Farben treffen auf den grauen Untergrund der Fassade und sollen Offenheit, Wärme, Energie und Lebendigkeit ausstrahlen. Gleichzeitig greifen Gesten und Körperhaltungen urbane Bewegungsformen auf und nehmen sich den öffentlichen Raum neu als Bürgersteigbühne.

 

Während der gesamten Entstehungszeit wurde das Projekt von zahlreichen Menschen begleitet. Viele neugierige Passantinnen und Passanten blieben stehen, stellten Fragen oder verfolgten täglich die Veränderungen an der Wand. Aus vorbeifahrenden Autos gab es motivierende Hupen, Freudenschreie und begeisterte Zurufe. Schulklassen, Rentnergruppen und viele weitere Besucherinnen und Besucher spendeten Applaus, führten Gespräche und machten den Platz rund um das Gemälde zeitweise selbst zu einem lebendigen Begegnungsort.

 

Ein besonderer Dank gilt dem Kulturamt der Stadt Aschaffenburg für die Unterstützung und die Möglichkeit, dieses Projekt realisieren zu dürfen. Ebenso danke ich allen Beteiligten, Unterstützenden und allen Menschen, die den Entstehungsprozess von „Alltagstakt“ begleitet haben. Genau diese Begegnungen, Gespräche und Reaktionen haben das Projekt zusätzlich mit Leben gefüllt.

 

 

Mit freundlicher Unterstützung von:

Projektverlauf – Alltagstakt

Tag 1

Der erste Tag beim Fassadengemälde „Alltagstakt“ begann mit dem Aufbau der Baustellenabsperrung. Anschließend wurde die Gelenkbühne von Suffel an der Hauswand innerhalb der Baustelle positioniert und die Höhe für die Arbeit abgesteckt. Im weiteren Verlauf wurden die Arbeitsbereiche eingerichtet und die erste Figur mit Skateboard vorgezeichnet. Die Arbeit gestaltete sich anspruchsvoll, da die Bühne nur teilweise auf dem Bürgersteig oder der Fahrbahn positioniert werden konnte. Zusätzlich erschwerten Straßenschilder sowie eine Laterne das Handling und die Navigation entlang der Wand. Auch Passanten liefen immer wieder durch die Baustellenabsperrung und unterbrachen den Arbeitsfluss. Nachdem die erste Figur fertig vorgezeichnet war, wurde sie mit den Grundfarben ausgefüllt. Bereits dabei versammelten sich einige neugierige Zuschauer vor der Baustelle. Danach wurde kontinuierlich weitergearbeitet, bis am Abend ein großer Teil der Vorzeichnung des Fassadengemäldes abgeschlossen war.

Tag 2

Der zweite Arbeitstag begann etwas später, da ich zunächst die Poster zum Kunstprojekt abgeholt habe. Noch während ich die Farben auf die Gelenkbühne von Suffel verladen habe und mir dabei versehentlich ein Kakao über die Schutzmaske gelaufen ist, tauchten Journalistinnen vom Main-Echo für einen Bericht über das Gemälde auf. Nach einem etwa halbstündigen Gespräch ging es schließlich an die Wand.

Für diesen Arbeitstag hatte ich mir die Vorzeichnung der linken Seite des Gemäldes vorgenommen. Trotz erneuter Regenunterbrechungen bin ich sehr gut vorangekommen, sodass ich bei den Figuren bereits mit dem groben Ausfüllen der Farbflächen beginnen konnte. Da mich mehrere Passanten immer wieder nach Informationen zum Projekt gefragt haben, habe ich zwischendurch außerdem die Poster zum Kunstprojekt aufgehängt. Generell waren erneut viele neugierige Menschen vor Ort, die Fotos vom Entstehungsprozess gemacht haben.  Teilweise sogar vom Fahrrad oder aus dem Auto heraus. Auch von der Straße bekam ich immer wieder lautstarken Zuspruch zugerufen. Das motiviert sehr. 

Tag 3

Heute stand ich bereits früher an der Wand, als an den Vorherigen Tagen, da ich nur bis zum frühen Nachmittag Zeit hatte um später noch mein Tanzunterricht geben zu können. Nach dem Positionieren der Gelenkhebebühne von Suffel begann ich damit, die Figur des Kontrabassspielers vorzuzeichnen. Dabei arbeitete ich mich Stück für Stück von oben nach unten an der Fassade entlang.

Kurz bevor ich den unteren Bereich erreicht hatte, kam eine Schulklasse vorbei. Ich nahm mir Zeit für ein kleines Meet-and-Greet, beantwortete Fragen zum Gemälde und nutzte die Gelegenheit, das bisherige Ergebnis aus größerer Entfernung zu betrachten. Anschließend ging es wieder nach oben, um einige Kleinigkeiten zu korrigieren, die mich bereits gestört hatten. Danach begann ich mit der Vorzeichnung der letzten Figur. Dabei stieß ich erneut an Grenzen. Die Beschilderung auf dem Bürgersteig, ließen das Positionieren der Bühne an geeigneten Stelle vom Bürgersteig aus nicht zu. Ich hatte wirklich viele Positionen und Möglichkeiten probiert. Genau in diesem Moment kam der Eiswagen "Daddy Cool" vorbei und versorgte mich mit einem Vanilleeis. So konnte ich den Vormittag doch zufrieden abschließen und den Rest der Vorzeichnung auf morgen verschieben.

Tag 4

Am vierten Projekttag von „Alltagstakt“ ging es erneut an die farbliche und zeichnerische Ausarbeitung der Fassade. Zunächst habe ich die noch fehlenden unteren Partien des Skaters sowie den „Speedystyle“ in der Trommel fertig vorgezeichnet. Direkt danach begann ich damit, diese Bereiche farbig auszuarbeiten, damit auch die Graffiti-Nerds bereits auf ihre Kosten kommen. Normalerweise halte ich mich in dieser Phase noch etwas mit den Feinheiten zurück. An diesem Tag hatte ich jedoch große Lust, einzelne Elemente bereits detaillierter auszuarbeiten, besonders nachdem die Sonne hervorkam und die Stimmung an der Wand nochmals verändert hat. Dadurch konnte ich einige Arbeiten bereits vorziehen und mir für den letzten Projekttag mehr Zeit für den finalen Feinschliff und kleinere Korrekturen schaffen. Nach dem Mittagessen erhielt schließlich auch der springende Hund seine ersten Farbspuren und brachte damit noch mehr Bewegung und Lebendigkeit in das Gesamtbild. -Heute ist der Bericht im Main-Echo erschienen. 

Tag 5

Am heutigen Tag lag der Fokus vor allem darauf, möglichst viel Fläche mit Farbe zu füllen und die Komposition des Gemäldes weiter zusammenzuführen. Ohne bereits in tiefen oder Details zu gehen. Bis auf den Trompetenspieler konnten inzwischen alle Figuren mit ihrer grundlegenden Farbgestaltung koloriert werden. Dabei fühlte sich die Arbeit stellenweise so an,als würde ich ein farbenpuzzel zusammen setzten, bei dem sich nach und nach alle Farbkleckse zusammengefügt haben.

Durch den Artikel im Main-Echo kamen an diesem Tag besonders viele Menschen vorbei, um sich das Fassadengemälde anzuschauen. Darüber habe ich mich sehr gefreut, denn neben der Arbeit an der Wand ergaben sich viele schöne Gespräche und spontane Begegnungen. Der Platz rund um die Fassade und die gesamte Aktion entwickeln sich zunehmend zu einem kleinen Treffpunkt, an dem Menschen stehen bleiben, miteinander ins Gespräch kommen und den Entstehungsprozess gemeinsam verfolgen.

Auch der Eiswagen Daddy Cool schaute erneut vorbei und versorgte mich freundlicherweise wieder mit einem Vanilleeis.

Tag 6

Dieser Tag begann mit der linken Fassadenseite und habe zunächst am Gitarrenhals gearbeitet, wo bereits erste Feinheiten entstanden sind. Anschließend widmete ich mich dem Kopf der Gitarrenspielerin und arbeitete das Gesicht aus. Durch die starke Sonne und die dadurch entstehenden Schatten auf der Wand ließen sich die Farbflächen jedoch nur schwer einschätzen, weshalb ich erstmal eine Mittagspause eingelegt habe. Nach dem Essen ging es mit dem unteren Bereich des Trompetenspielers weiter. Dort wurden die Farbflächen ausgefüllt und weitere Details ausgearbeitet. Wegen der hohen Temperaturen habe ich heute mehrere Pausen eingelegt, aus denen sich wieder viele schöne Gespräche mit Besucherinnen und Besuchern ergeben haben. Am Abend musste ich zusätzlich noch das Laden der Gelenkbühne organisieren, da der Akku bereits deutlich leerer war als gedacht. Dadurch wurde es heute etwas später, bis ich in den Feierabend gestartet bin..

 

Tag 07

Heute am Sonntag, war ich bereits früh vor Ort, da ich die Gelenkbühne, die über Nacht vollständig geladen hatte, zurück zur Wand in den Baustellenabsprerrungsbereich gebracht habe. Kurz darauf habe ich erst einmal gemütlich im Park Schöntal gefrühstückt und mir vorgenommen, diesen Tag etwas entschleunigter anzugehen, da ich bereits am Vormittag die hohe Temperaturen bemerkbar machten. Zum Glück lag die Fassade bis etwa zur Mittagspause noch im Schatten, sodass ich die Zeit wieder gut für Feinarbeiten nutzen konnte. Im Mittelpunkt stand heute der Kontrabassspieler in der Bildmitte. Vor allem das Gesicht sowie die vielen spielenden Hände in unterschiedlichen Farbtönen wurden weiter ausgearbeitet. Auch der zweite Gitarrenhals und die Greifhand der Gitarre haben weitere Überarbeitungen erhalten.

Trotz guter Vorbereitung mit ausreichend Getränken und einem feuchten Kühltuch habe ich heute, der Hitze wegen bewusst früher Feierabend gemacht. Morgen ist schließlich auch noch ein Tag. ;-)

Tag 08

Am heutigen Feiertag begann der Tag ganz entspannt am Vormittag. Langsam stellt sich ein richtiger Rhythmus ein. Nach einem guten Frühstück packe ich meine Sachen für den heißen Sommertag auf der Hebebühne zusammen, bringe die Gelenkbühne innerhalb der Baustellenabsperrung in Position und es läuft ganz reibungslos. Für etwas Verwirrung sorgte heute allerdings ein Beitrag auf Facebook, unter dem behauptet wurde, das Bild sei bereits fertig. Entsprechend wurde ich den ganzen Tag immer wieder gefragt, warum ich überhaupt noch weiterarbeite, wenn das Gemälde doch angeblich schon abgeschlossen sei. So viel also zum Thema Fake News. Am Gemälde selbst habe ich heute den hinteren Drummer von oben bis unten weiter ausgearbeitet. Auch der kleine, glückliche Peace-Schellenroboter beziehungsweise das kleine Becken-Element wurde fertiggestellt. Zusätzlich habe ich an den Händen sowie an der Querflöte weitergearbeitet. Im Laufe des Tages wurde es allerdings so heiß, dass selbst mein kühlendes Kopftuch die Temperaturen nicht mehr wirklich abhalten konnte. Deshalb habe ich beschlossen, die weiteren Arbeiten auf morgen zu verschieben. Trotz der starken Sonne und Hitze bin ich heute sehr gut vorangekommen.

Auch heute waren wieder viele Besucherinnen und Besucher vor Ort, um den Entstehungsprozess zu verfolgen. Und nein, das Bild ist noch nicht fertig. 

;-) 

Tag 09

Am vorletzten Projekttag lag der Fokus darauf, das Gemälde so weit fertigzustellen, dass der letzte Tag vollständig für Feinheiten, Korrekturen und zusätzliche Fading-Effekte genutzt werden kann. Gerade diese weichen Übergänge und Bewegungsunschärfen sollen den Schwung und die Dynamik der Figuren noch stärker hervorheben. Deshalb stratete ich heute konzentriert auf der linken Seite der Fassade und habe mich Schritt für Schritt bis zum Trompetenspieler vorgearbeitet. Angefangen bei der Gitarrenspielerin und ihrem unteren Arm habe ich alle Bereiche weiter ausgearbeitet und definiert. schließlich auch den Trompetenspieler vollständig überarbeitet. Bis zur Mittagspause konnte ich diesen Abschnitt weitgehend abschließen. Zu dieser Tageszeit verursachte die Sonne wieder starke Strukturschatten von der rauen Wandoberfläche, wodurch sich Farbunterschiede und Übergänge kaum noch richtig erkennen lassen.

 

Nach meiner Mittagpause stand die Sonne schließlich direkt auf der Fassade und ich konnte trotz der großen Hitze von über 30 Grad weiterarbeiten. Heute habe ich außerdem die Schatten der Figuren gesetzt, sodass sie nun endlich nicht mehr im freien Raum schweben.  Zum Tagesende habe ich auf der rechten Seite noch den Hund weiter ausgearbeitet, ihm Fellstruktur gegeben und Details wie die Pfoten verfeinert.

Irgendwann wurden die Schatten der Bäume und Blätter auf der Wand jedoch wieder so stark, dass ein präzises Arbeiten kaum noch möglich war.Deshalb habe ich beschlossen, die letzten Schritte auf morgen zu verschieben.

Gegen Ende des Tages wurde ich dabei sogar ein wenig wehmütig. Einerseits macht es unglaublich viel Spaß, an diesem Bild zu arbeiten, und ich könnte es endlos weiterführen. Andererseits gehört auch fertiger  Abschluss dazu. Denn selbst der schönste Urlaub geht schließlich einmal zu Ende. ;-)

 

Auch heute sind wieder viele begeisterte Besucherinnen und Besucher vorbeigekommen und haben den Entstehungsprozess begleitet.

Tag 10 

Am letzten Projekttag von Fassadengemälde „Alltagstakt“ begann die finale Phase. Im Mittelpunkt standen die letzten Korrekturen und Feinheiten, die mir bereits am Vortag aufgefallen waren, sich durch die starken Schatten auf der Wand jedoch nicht mehr sauber umsetzen ließen. Deshalb startete ich erneut zuerst auf der linken Seite der Fassade und arbeitete mich von oben nach unten Stück für Stück vor.

Anschließend ging es im Mittelteil weiter, wo das Arbeiten durch die Beschilderung erneut zur kleinen Geduldsprobe wurde. Die Gelenkhebebühne musste immer wieder neu positioniert und rangiert werden, damit ich gut alle stellen optmal erreichen konnte, gerade im unteren Bereich der Wand. Durch die einfach und gut zu bedienende Hubarbeitsbühne und mit etwas Geduld gelang es mir aber, sodass ich schließlich auch auf der rechten Seite weiterarbeiten konnte.

Dem Drummer habe ich noch ein weicheres Kinn gegeben und zusätzlich überall feine Bewegungs-Fadings ergänzt, die den Figuren noch mehr Dynamik und Bewegung verleihen.

Bis zur Mittagspause waren die meisten Korrekturen abgeschlossen. ich machte ich ein  Kontrollfoto, nahm dieses mit um während der Pause zu schauen, welche Stellen ich noch weiter überarbeiten möchte.

 

Trotz der großen Hitze arbeitete ich anschließend weiter und passte unter anderem die Kontrabasssaiten sowie die Schuhe des Skaters an. Außerdem habe ich an Ärmeln, Pullovern und Hosen weitere Tiefen und Schattierungen ergänzt. Als letzten Schritt habe ich schließlich meine MR-Signatur auf dem Skateboard untergebracht.

Rechtzeitig bevor die Bäume wieder starke Schatten auf die Fassade warfen, konnte ich die finalen Fotos aufnehmen. Danach ging es an den Abschluss des Arbeitstages: Die Gelenkbühne wurde von Farbspritzern gereinigt und auf dem Parkplatz abgestellt, damit sie am nächsten Tag wieder abgeholt werden kann.

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© Marc Robitzky Illustration